Sonntag, 20. August 2017

Lesesonntag August 2017

Es ist wieder Lesesonntagszeit und ich habe mich schon sehr darauf gefreut. Die Woche war anstrengend, zum Lesen bin ich nicht wirklich gekommen - mal ein paar Zeilen hier, mal ein paar Zeilen dort, und zwar im Zusammenhang mit dem prime-reading von Amazon. Dabei kann ich bestimmte Zeitschriften, Bücher oder comics kostenfrei leihen, und zwar im Gegensatz zur Kindle-Leihbücherei mehrere Artikel gleichzeitig, dafür ist die Auswahl ziemlich begrenzt. und offenbar wechselnd.

Ich habe mir letzte Woche mal den Comic "Ms Marvel: No normal - Volume 1" ausgeliehen (Hm, ich habe nicht mal geschafft, eine Comic-Volume in der Woche zu beenden, denn während des heutigen Frühstücks habe ich weitergelesen... Es ist wirklich sehr stark spürbar, wenn eine von uns drei Mitarbeitern im Urlaub ist - leider noch länger bis in den September hinein, da sie drei Kinder hat und hier in NRW noch immer Ferien sind. ). Die Ausleihe eines Comics macht aber nur Sinn, wenn man auf einem Tablet oder in der kindle-App liest, auf einem reader hat man natürlich von den Zeichnungen überhaupt nichts.

Mir gefällt, was ich lese und was ich an Zeichnungen sehe. Kamala, ein Teenager mit Hang zu Videospielen und Fan der Avengers und von Captain Marvel, die in ihrem Universum existieren, wird unter etwas merkwürdigen Umständen ein Wunsch erfüllt und auf einmal hat sie das Aussehen von Ms Marvel, bevor diese Captain Marvel wurde (so verstehe ich jedenfalls den Comic, ich bin mit Captain Marvel nicht vertraut), also blond, groß, Kostüm etc. und Superkräft hat sie auf einmal auch. In diesem Comic geht es darum, wie sie mit den neuen Gegebenheiten klar kommt, was es für sie und ihre Familie bedeutet - ich mag es, wie die Eltern und Kamals Beziehung zu ihnen dargestellt werden - und für Freunde. Ich werde gleich, wenn ich den Post geschrieben und kurz bei den heutigen Mitleser/innen geschaut habe, das Volume zu Ende lesen und dann entscheiden, zu was ich danach greife. :)

Update 13.45 Uhr
Ich mochte das erste Volume von Ms Marvel. Es hat mich nicht so aus den Socken gehauen, dass ich zwingend diesen Band oder Folgebände nachkaufen muss, aber ich könnte schon schwach werden, wenn ich es und nächste Bände günstig bekommen könnte - auf jeden Fall, wenn das nächste Volume bei prime reading zur Verfügung steht und ich das mitbekomme. ;)

Gestern habe ich ein wenig demnächst erscheinende Bücher gecheckt und dabei ist mir "Dark Matter" von Blake Crouch aufgefallen. Da es diesen Roman aber derzeit im englischen Original für den Kindle für 1,49 EUR gibt, habe ich mich gegen die deutsche Übersetzung und für den Kauf des Originals entschieden und heute mit der Lektüre begonnen. Jason, der seine Karriere als Wissenschaftler zugunsten seiner Ehefrau und seinem inzwischen Teenager-Sohn, aufgegeben hat, ist außer Haus, um einem ehemaligen Kommilitonen zu dessen Erfolg zu gratulieren. Auf seinem Heimweg wird er von einem Mann gezwungen, zu einer verlassenen Stätte zu fahren. Als er das nächste Mal zu sich kommt, muss er sich einer Dekontamination unterziehen, weiß nicht wo er ist, was es mit den Leuten um ihn auf sich hat und muss feststellen, dass er zwar noch zu der ihm bekannten Anschrift wohnt, dort aber keinerlei Hinweise mehr auf seine Frau und sein Kind zu finden sind und auch das Innere des Hauses verändert ist. Da ich irgendwann über die Mittagszeit ein wenig eingenickt bin :), befinde ich mich gerade erst bei ca. 26 % des Romans und weiß wie Jason noch immer nicht so recht, was ihm eigentlich passiert ist (nun ja, durch das gestrige Checken habe ich natürlich den "Klappentext" gelesen. Und warum gibt es bei dem deutschen Titel einen Nachsatz, den es im Englischen nicht gibt und der ggf. - ich weiß es nicht - ggf. spoilert....).

Ich mache mich jetzt mal auf den Weg zu den heutigen Mitleserinnen. :)

Update 18.45
Mein Buch habe ich nicht gewechselt, sondern weiter in "Dark Matter" gelesen und habe noch etwa 20 % vor mir. In der Rückschau muss ich sagen, dass ich den Anfang fast ein wenig behäbig fand und der Roman für mich deutlich stärker Fahrt aufnahm, als Jason mehr über die Welt erfährt, in der er gelandet ist. Mich hält der Autor gut bei der Stange ich finde die Physik, um die insbesondere jetzt an dieser Stelle des Romans geht, faszinierend.

Ich schaue mich mal bei meinen Mitleserinnen um und denke, ich werde noch später am Abend ein weiteres Update schreiben. :)

Update 21.00 Uhr

Ich habe "Dark Matter" während des Abendessens weitergelesen und gerade beendet. Und auch wenn ich ahnte, wie das Ende gestaltet werden würde - es ging eigentlich nicht anders -, war es ein wirklich guter Sonntagsroman.

Meine Helden haben mich am Nachmittag während der Lektüre wieder begleitet - jedenfalls so lange, bis ich dringend aufstehen musste. ;) Danach pflanzte sich Merlin wirklich so auf meinen Oberkörper, dass ich nicht mal das sehen konnte, was ich in der Hand hatte und Marlowe wühlte sich unter eine Sitzauflage und Decke im Lesesessel. Nun ja, er ist ja ein Krabbler. :D

Ich werde jetzt ein wenig den morgigen Tag vorbereiten und dann auch die Schlummerkiste aufsuchen und vielleicht zum Ausklang des Tages noch eine Folge Babylon5 schauen. Ich bin derzeit (mal wieder) in Staffel 2, Sheridan hatte gerade ein ernstes Gespräch mit seinem senior staff wegen der Ereignisse an der Spacestation Io am Ende der 1. Staffel.

Ich mag unsere Lesetage. :) Bis bald! 

Donnerstag, 3. August 2017

"The Jane Austen Project" by Kathleen A. Flynn

Ich bin beim Stöbern auf Amazon eher zufällig über diesen Roman gestolpert; durchaus möglich, dass das im Zusammenhang mit "Kunden kauften auch" geschah beim Erwerb der Jane-Austen-Education. Im Gegensatz zu letzterer sprach mich dieses Buch allerdings durchgängig an.

In diesem Roman starten die Ärztin Rachel Katzmann - eine starke Austen-Liebhaberin - und der Wissenschaftler und früherer Schauspieler Liam Finucane auf eine ungewöhnliche Reise. Praktische Zeitreisen sind möglich geworden, nachdem eine unermessliche Energiequelle - der Prometheus-Server - erfunden wurde. Eine seiner Erfinderinnen ist eine große Jane-Austen-Verehrerin. Als dann zufällig ein weiterer Jane-Austen-Brief in einem alten Ivenhoe-Buch gefunden wird, wonach "The Watsons" von Austen doch vollendet, dann aber von ihr vernichtet wurde, werden die beiden nach einem Trainingsprogramm in das Jahr 1815 geschickt mit der Mission, das Roman-Manuskript zu retten und außerdem Korrespondenz zwischen Jane und ihrer Schwester Cassandra zu kopieren und mitzubringen.

Über die Zeit, aus der Rachel und Liam stammen, gibt es recht wenig in dem Roman zu erfahren. Es ist von Die-Off die Rede - was nicht weiter erläutert wird - und dass Jane Austen erhebliche Bedeutung in dieser Zeit hat,  dass Großbritannien so starken Einfluss auf der Welt hat wie zu Empire-Zeiten und dass Kriseneinsätze der Ärzte offenbar immer noch Thema sind. Ich hätte z.B. gern mehr über das "Die-Off" gelesen, aber andererseits war das im Verhältnis zu den Geschehnissen in 1815 und 1816 unwichtig.

Die Geschichte selbst wird von Rachel aus der Ich-Perspektive erzählt. Sie und Liam posieren in 1815 als sehr wohlhabende Geschwister, die nach dem Tode des Vaters Jamaica velassen haben, Liam tritt als Arzt auf; sie ist seine unverheiratete Schwester. Sie fälschen ein Empfehlungsschreiben von entfernten Verwandten der Austens auf Jamaica für den Banker Henry Austen, Janes Lieblingsbruder, und können so erste Kontakte zu der Familie Austen knüpfen ...

Was mir gefiel, war die Vermengung von Informationen über das Leben in 1815/1816 (Kauf, Haushalt, Etikette) mit der Grundgeschichte, natürlich incl. der Antwort auf die Frage, ob und wie den beiden der Schwindel gelingt, zumal der Rückkehrzeitpunkt in 1816 bereits getimt ist und sie daher auch nur ein gewisses Zeitfenster haben. Die beiden Reisenden kommen außerhalb Londons auf einem Feld an, Geldfälschungen am Körper tragend, nur einen Satz Kleidung - am Leib - und tauchen daher auch zu Fuß in einer Herberge auf, was sowohl auffällig als auch verdächtig ist und bereits zu ersten Improvisationen führt; dies fühlt sich für mich als Leser "richtig" an.  Auch die "Rahmenhandlung" ist - auch wenn sie im Weltaufbau nicht zu detailliert ist - durchdacht incl. der Gefahr, dass durch die Aktivitäten der beiden Reisenden in 1815/1816 Ereignisse verändert werden und sich dieses auswirken kann; insofern fällt häufiger der Begriff "probability field" während der Gespräche der beiden Reisenden. Rachels Perspektive gibt außerdem einen wesentlichen Blickwinkel vor: den einer alleinstehenden intelligenten Frau in 1815, allerdings wohlhabend. Aber auch letzteres schützt nicht davor, dass der Hausdiener sich immer an Liam wendet oder Rachel stundenlang am Abend auf Liams Rückkehr warten muss, ohne sich überzeugen zu können, dass ihm nichts passiert ist. Ich gestehe aber ein, dass ich auch gern Liams Eindrücke ungefiltert und nicht durch Rachels Wahrnehmung erlesen hätte, insbesondere, da die Autorin Rachel immer wieder betonen lässt, dass er ein Schauspieler, was, wenn nicht bereits Rachels Wahrnehmung, so doch ihre Schlussfolgerungen beeinflusst. Aber die Änderung der Erzählstruktur in z.B. eine auktoriale oder wechselnd zwischen Rachel und Liam als Icherzählter hätte natürlich zwangsläufig einen anderen Roman zur Folge; keine Ahnung, ob mir dieser immer noch so gut gefallen hätte.

Ich habe mich in der von Kathleen A. Flynn geschaffenen Welt - sei es in Rachels Zeit, sei es 1815/1916 - wohl gefühlt. Es würde mich auch nicht wundern, wenn dieser Roman irgendwann verfilmt würde.